Erziehung und Autorität
- Nadine Witte
- 8. Mai
- 2 Min. Lesezeit
Ihr Lieben!
Wenn wir über Erziehung reden, denken wir, wir meinen alle dasselbe, aber es meint jeder etwas anderes.
Gerade in der Hundeerziehung scheint mir, gehen die Meinungen oft sehr auseinander.
Aber lasst uns einmal schauen, was definitionsgemäß hinter dem Synonym "Erziehung" steckt.
".... Erziehung ist die bewusste, zielgerichtete Förderung und Lenkung der Entwicklung durch Bezugspersonen. Sie umfasst die Vermittlung von Werten, Normen und Fähigkeiten, um Heranwachsende zu selbstständigen, sozial kompetenten Individuen zu machen. Erziehung basiert auf einer sozialen Beziehung, idealerweise geprägt durch Liebe, Respekt und Struktur."
Wie ihr euch sicher denken könnt, stammen dieses Zitate aus der Kindererziehung und Pädagogik. In der klassischen Hundeerziehung finden wir eher Dinge wie ...
"... Hundeerziehung bedeutet die gezielte menschliche Einwirkung auf einen Hund, um ein harmonisches, konfliktarmes Zusammenleben in der menschlichen Gesellschaft zu ermöglichen. Sie baut durch klare Kommunikation, Vertrauen und Konsequenz eine Bindung auf, fördert die Sicherheit im Alltag und befähigt den Hund, sich angemessen an seine Umgebung anzupassen."
Dann begegnen uns Begriffe wie, "klassische und operante Konditionierung", positive Verstärkung, Sitz, Platz, Fuß und Rückruf als Grunderziehung.
Es kommt also beim Hund stark darauf an, was die menschliche Gesellschaft in der er lebt, als Regeln für einen guten Hund definiert. Diese sind natürlich auf dem Land anders als in der Stadt und in Deutschland anders als in Spanien, Griechenland oder Rumänien.
Ich muss gestehen, ich habe mit dem Wort "Hundeerziehung" so meine Probleme! Die meisten Maßnahmen die auf Hundetrainingsplätzen zu finden sind, fühlen sich eher nach Manipulation an. Ganz gleich, ob sie nun mit Keksen oder mit Strafe vermittelt werden.
Der Hund wird zu einem Objekt unserer Vorstellung gemacht und wenn er sich dies nicht gefallen lässt, ist er eben ein schwieriger Hund. Denn ein guter Hund muss, Menschen und Artgenossen mögen, darf nichts besitzen bzw. verteidigen, er muss seine Gefühle immer unter Kontrolle haben und muss stets am Menschen, bzw. seiner Bezugsperson orientiert sein. Mal ehrlich, wer von uns erfüllt diese Kriterien?
Ich sicher nicht!
Versteht mich nicht falsch, ich bin für Regeln und Grenzen innerhalb eines Sozialverbandes. Sie sind notwendig, damit ein harmonisches Zusammenleben funktioniert. Doch wer darf diese Regeln und Grenzen aufstellen und was bewegt ihn dazu? Sind sie wohl gewählt und sinnvoll, oder hat man einfach etwas übernommen, ohne darüber nachzudenken? Dürfen alle Mitglieder einer sozialen Gruppe Regeln und Grenzen aufstellen? Ja wo kämen wir denn da hin, wenn jeder das Recht hätte...? Ich lasse mir doch von meinem Hund keine Vorschriften machen. Ich mache die Regeln und er hat zu gehorchen. Er soll mich schließlich respektieren.
Die meisten Menschen vergessen, dass Autoritär nichts mit Autorität zu tun hat. Autorität ist die freiwillige Anerkennung durch andere, basierend auf Kompetenz, Persönlichkeit und Erfahrung. Sie ist auf Zwang und Manipulation nicht angewiesen, sondern bietet Schutz und Sicherheit. Hunde sind sozial organisierte Lebewesen. Sie haben ein Interesse daran, in Frieden und Sicherheit Teil eines Sozialverbands sein zu können. Doch sie sind Lebewesen mit Bedürfnissen, Ängsten, Schwächen und Stärken und als solche sollten wir sie sehen. Denn auch unsere Hunde haben eine Reihe von Kompetenzen und Erfahrungen. Diese sollten wir respektieren und beherzigen, wenn wir das Verhalten unserer Hunde bewerten.
Hast du Autorität oder bist du autoritär? Erziehst du deinen Hund oder manipulierst du?
Viele Grüße


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